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Das September-Lauschmittel
Sienna Spiro – The Visitor (Orange Vinyl)
Mit nur 20 Jahren präsentiert sich Sienna Spiro als eine „alte Seele“, deren musikalisches und visuelles Universum tief von den 1960er-Jahren inspiriert ist. Hinter den voluminösen Frisuren und den ausgefeilten Arrangements im Stil von Burt Bacharach verbirgt sich die Sorge um die Vergänglichkeit, die Sienna Spiro umtreibt. Dies klingt bereits im Eröffnungsstück durch die Beschreibung eines Hauses an, dessen unerschütterliche Beständigkeit eine beruhigende Wirkung auf die junge Engländerin hat (This is my House). Die ergreifenden Balladen für Klavier und schmachtende Streicher bilden das klassische Fundament dieser Platte, die zwischen Jazz, Pop und Soul changiert. Besonders im Gedächtnis bleiben die emotionale Steigerung von Die On This Hill oder auch die berührende Schlichtheit von Pure und Mono No Aware, bei denen die akustische Gitarre wunderbar mit dem rauen Timbre der Sängerin harmoniert.…weiterlesen
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Alle 12 Alben des Jahrgangs 25 in der Übersicht. Jeden Monat ein frisch gepresstes Album für die Ergänzung deiner Plattensammlung. Aus dem Spektrum Blues, Rock, Soul und Jazz.
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Zwölf Alben im Lauschmittel Vinyl-Abo für 2022 in der Übersicht. Jeden Monat ein Highlight für die eigene Schallplattensammlung. Jeden Monat eine Überraschung. Jeden Monat ein Album, das du dir vermutlich nicht gekauft hättest. Und zwölf gute Gründe, die für ein Lauschmittel Vinyl-Abo sprechen.
Quer durch den Sound-Garten
Wir bieten mit unseren Vinyl-Abos eine breite Palette an Alben aus den Genres Rock, Soul und Jazz an – und einigen, die sich in keine Schublade stecken lassen. Nebst der musikalischen Qualität ist bei der Auswahl unserer Alben wichtig, dass sie gut klingen. Wenn sie auch noch ein schönes Cover haben und qualitativ gut gefertigt sind, umso besser.
Gut zu wissen: es ist egal, wann ein Album aufgenommen wurde. Uns ist jede Epoche recht. Gut möglich, dass wir auch den einen oder anderen Klassiker ins Abo aufnehmen, wenn eine gelungene Neupressung auf den Markt kommt.
Eigentlich stellt man nur tote Dinge ins Museum. „So war es mal, liebe Kinder.“ Ein Satz wie dieser ist emblematisch für den Grundethos von Legacy Acts, die ihre eigene Vergangenheit verklären und als eine Art Wachsfigurenkabinett durch die Welt tingeln. Doch was passiert, wenn man bemerkt, dass die mumienartige Figur Keith Richards hinter der Scheibe plötzlich zum Leben erwacht? Nun, man sollte ihm eine Telecaster und eine Pulle Jack Daniel’s reichen.
Denn dieser Rockdino weigert sich erneut gegen den Zahn der Zeit. Spätestens wenn Busenfreund Mick Jagger dazukommt, wird aus der trockenen Ausstellung auch eine ausgelassene Party. Man glaubt es kaum: Foreign Tongues ist ein Werk, das tatsächlich Lebendigkeit und Gefahr ausstrahlt.
Das bemerkenswerte Rough and Twisted ist die Kulmination von über 60 Jahren Karriere und brilliert durch einen herrlichen Mundharmonika-Part, der so nur auf dem Mist Jaggers gewachsen sein konnte. Produzent Andrew Watt schafft es tatsächlich, das zu vollbringen, was zuvor nur John Hammond aus Jurassic Park gelungen ist: nämlich aus etwas Fossilem etwas Hungriges mit Zähnen zu machen.
Wer die Stones verächtlich als „Dinos“ bezeichnet, tut ihnen von daher auch nicht ganz unrecht. Denn Dinosaurier sind von Natur aus größer und spektakulärer als das Leben selbst. Mit dem Amy-Winehouse-Cover You Know I'm No Good schaffen es die Stones zudem, wirklich alle zu überraschen. Nicht schlecht für eine Band, die schon seit 60 Jahren unterwegs ist. Neben den typischen Jagger-Richards-Kompositionen setzt die großartige Chuck-Berry-Interpretation Beautiful Delilahdas finale Ausrufezeichen. Die Stones kehren zu ihren absoluten Wurzeln zurück – und der Kreis schließt sich. © Philipp Methling/Qobuz
Tamikrest wurden stets (und das völlig zu Recht) als die “kleinen musikalischen Geschwister von Tinariwen” präsentiert. Ein weiterer wunderbarer Beweis für diese kreative Verwandtschaft findet sich auf diesem neuen Album: Auf dem Song Eillal hört man die unverkennbare Stimme (und auch ein wenig Gitarre) von Ibrahim ag Alhabib, dem ehrwürdigen Frontmann von Tinariwen. Auch die Gruppe Tamikrest aus der Region Kidal, Mali gibt es nun schon seit 20 Jahren – man kann hier also eigentlich kaum noch von kleinen Geschwistern reden. Bereits auf ihrem Debütalbum im Jahr 2009 umhüllten Tamikrest ihre Musik mit einem Hauch von Einsamkeit und zarter Entzauberung, eingebettet in einen faszinierenden Fluss aus Sahara-Klängen, aber auch aus atmosphärischem Rock.
Genau diese wunderbaren Stimmungen prägen den unverkennbaren Stil von Tamikrest und finden sich nun einmal mehr auf Assikel wieder. Das Album führt den Weg seiner Vorgänger meisterhaft fort – man findet hier all die großartigen Grundlagen der Tamasheq-Musik wieder: akustische Lagerfeuer-Gitarren und elektrisierende Riffs, die förmlich entflammen, die markant raue Stimme von Ousmane ag Mossa, auf die mutige Chöre antworten sowie durchweg subtile und traumhafte Klang-Atmosphären. Hörer:innen befinden sich hier absolut auf vertrautem musikalischem Terrain und fühlen sich doch stets ein wenig, als würden Sie schweben.
Der Assouf (jener Name für den Tuareg-Blues, der saharische Ausdruck der Sehnsucht) wird durch den Aufnahmeprozess regelrecht veredelt. Assikel wurde live und auf Band aufgenommen, und zwar mit Ausrüstung aus den 60er Jahren in einem herrlichen Vintage-Studio in den Niederlanden. Das Gefühl der Einsamkeit gerät in diesen hypnotischen Gesängen völlig in Vergessenheit und heilt in einer Trance, die beinahe an grandiosen Stoner erinnert. Eine wunderbar flirrende, hitzige Trägheit bemächtigt sich der Songs, selbst wenn das Tempo einmal anzieht. Auf Tamasheq bedeutet Assikel so viel wie “Reise”. Bei Tamikrest wirkt diese Reise ebenso innerlich wie räumlich. In diesem Sinne: Eine geradezu exzellente musikalische Reise! © Stéphane Deschamps/Qobuz
Man stelle sich die Szenerie vor: Mit Kindheitsfreunden in einer warmen Sommernacht an einem Lagerfeuer zusammensitzen und die alten Zeiten Revue passieren lassen. Toni packt die Gitarre aus, Nadine und Paul holen schon einen neuen Kasten Bier, Tom steckt sich in der Ecke eine ordentliche kubanische Zigarre an. Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Horizont. Genau nach diesem Gefühl klingt Blackberry Smokes siebtes Studioalbum "You Hear Georgia". Nach 20 Jahren Bandgeschichte kehrt das Quintett um Frontman Charlie Starr zu seinen Wurzeln zurück und hat dabei den bandtypischen Genremix aus Southern-Rock, Country, Blues, Rock'n'Roll und ordentlich viel Groove im Gepäck.
Der Opener "Live It Down" liefert einen arenareifen Chorus, der sich spätestens nach dem zweiten Hören ins Gehirn brennt und einen fulminanten Einstieg in die klangliche Welt der Gruppe bereithält. Schon die erste Line des Titeltracks "You Hear Georgia" rechnet hingegen in zynisch lässiger Cowboy-Manier mit dem weit verbreiteten Klischee des ungebildeten Südstaatlers ab: "You hear Georgia when I open my mouth, don't make no difference what I'm talking about." Spätestens die vorab erschienene Single "Hey Delilah" löst mit Hilfe von entfesselten Gitarrenparts und stakkato gespieltem Honky-Tonk-Geklimper jegliche Verspannungen im ganzen Körper.
Bereits im ersten Drittel des Albums zeichnet sich ab, dass sich die Zusammenarbeit mit dem ebenfalls aus Georgia stammenden Produzenten Dave Cobb gelohnt hat. Dass Southern Rock zu Cobbs Spezialitäten gehört, spiegelt sich deutlich in der technischen Qualität der Songs wider. Gerade seine Vorliebe für analoge Aufnahmen kommt dem Sound des Albums zugute. Von beißenden E-Gitarren bis hin zu satten Drums und klaren Gesangsharmonien ergibt sich ein kohärentes Gesamtbild, das zu keinem Zeitpunkt seinen roten Faden verliert und die verschiedenen Genreeinflüsse stimmig miteinander vereint.
In der Folge findet deshalb auch endlich die zu erwartende Country-Abzweigung ihren Platz. Die Umsetzung ruft dabei allerdings eher gemischte Gefühle hervor. "Lonesome For A Livin'" tölpelt bis zum finalen Duett von Starr und Southern-Rock-Gefährte Jamey Johnson ziellos vor sich hin und lässt das gewisse Etwas einer derart hochkarätigen Zusammenarbeit vermissen. "Old Enough To Know" kreiert wiederum mit gefühlvoll gezupfter Akustikgitarre, punktuellen E-Gitarren-Slides und tiefsinnigen Lyrics eine intime Atmosphäre, die nicht nur jedem Wort eine packende Bedeutung zuschreibt, sondern auch zum Nachdenken über das eigene Leben anregt.
"Morningside" entpuppt sich schnell als heimliches Highlight, nicht zuletzt durch das wohl ambitionierteste und beste Gitarrensolo der gesamten Platte. Der Roadtrack "All Over The Road" verspricht hingegen genau das, was der Titel bereits vermuten lässt. Der Breakdown in der Mitte des Songs schaltet dann aber unerwartet zwei Gänge runter, jedoch nur am im Finale noch einmal richtig Gas zu geben. "Ain't The Same", die Warren-Haynes-Kollaboration "All Rise Again" sowie der Abschlusstrack "Old Scarecrow" stechen zwar nicht als Besonderheit aus der Masse heraus, tragen aber trotzdem solide ihren Teil zum einheitlichen Bild des Albums bei.
Während die Band in ihren Anfangsjahren noch Probleme hatte, einen etablierten Platz in der Musikwelt zu finden, holt sie mit "You Hear Georgia" inzwischen alte Fans ab und hält die Tür für neues Publikum zugleich aber weit offen. Lediglich gegen Ende der 40-minütigen Zeitreise fühlt man sich ein bisschen wie die eine außenstehende Person, die in anfangs genannter Szenerie aus Zwang mitgeschleppt wird, niemanden kennt und eigentlich überhaupt nicht weiß, worüber gerade noch philosophiert wird. Zumindest sofern man nicht zufällig ein Georgia-Local ist.
Blackberry Smoke genießen es aber dennoch, Vorurteile über die Menschen aus Amerikas Süden wie ein Schwamm aufzusaugen und in hochwertige Songs zu verwandeln, die Stereotypen keine Chance lassen. Nostalgie gepaart mit ordentlich Wumms und dazu eine simple, wenn auch durchdachte lyrische Qualität, die viele einer Southern-Rock-Band auf Anhieb wahrscheinlich nicht zutrauen würden. Viel mehr ist "You Hear Georgia" letztendlich nicht, will es aber auch gar nicht sein. Und das ist in diesem Fall genau richtig so.
© Laut
Atlanta, Georgia's Blackberry Smoke does upward of 250 shows a year, relentlessly crossing and re-crossing the various club, bar, and festival circuits, and the group's classic Southern rock sound, which recalls bands like the Black Crowes and Lynyrd Skynyrd, has been honed to a sharp edge by the constant playing. This is a solid band with a good rhythm section in bassist Richard Turner and drummer Brit Turner, a stand-out keyboardist in Brandon Still, and plenty of electric guitar work from Paul Jackson and lead singer Charlie Starr. Starr's voice is really what makes Blackberry Smoke more than a Southern rock nostalgia act, though. He's a country singer with a rock attitude and heart, and when the song's good, and the band's on board, this is a top-tier group who merge country and rock so seamlessly that it's both at once. There are several very good songs on The Whippoorwill, the band's debut for Zac Brown's Southern Ground label, including the chugging "Six Ways to Sunday," which opens the set, the tell-it-straight-like-it-is small town anti-anthem "One Horse Town" (which sounds like Steve Earle in his heyday), and the cranky, defiant, and determined "Leave a Scar," any of which deserve to be in regular rotation on contemporary country stations, but probably won't be because they sound more like Muscle Shoals productions than they do Nashville. Think Steve Earle fronting Lynyrd Skynyrd. Great stuff, ragged and real, and yes, there are a lot of cliché stances and phrases woven into these songs, but Starr's voice and this band's loose yet crisp playing style pulls it all off more often than not.
© Steve Leggett /TiVo
Es gibt Alben, die diese gewisse Art von Selbstverständlichkeit versprühen. L’Antidote von Bijan Chemirani (Perkussion), Rami Khalifé (Pianist) und Redi Hasa (Cello) ist eine dieser Platten, die von der Krankenkasse erstattet werden sollten. Das Projekt, das aufgrund der Pandemie 2020 vorübergehend auf Eis gelegt wurde, bevor es die Musiker vier Jahre später wieder ausgegraben hatten, ist das Ergebnis einer Begegnung, die wie von einem Wind von Freiheit heimgesucht wird und durch Sessions von freier Improvisation durchzogen ist, ohne jemals in Free Jazz überzugehen oder in übertriebene Selbstdarstellung zu verfallen. Ganz im Gegenteil. Jede Note ist genau dort, wo sie hingehört und in einem ebenso sanften wie progressiven Rahmen angeordnet, der jedem Instrument genügend Raum lässt, sich frei zu entfalten. Die vier Musiker eigneten sich nach und nach ein Repertoire an, das sich zwischen persischer Musik, zeitgenössischem Klavier, inspiriert von bestimmten Registern der elektronischen Musik und Klängen des Balkans bewegt. Dank ihres gemeinsamen Austauschs und gegenseitigem Zuhören schaffen die Instrumentalisten die Grundlage für dieses Programm, das eine solche musikalische Fülle vermittelt, die der Seele guttut und die Ohren verwöhnt.
Manchmal denkt man an die Werke von Avishai Cohen oder an bestimmte Akzente von GoGo Penguin (Pomegranate) sowie an die Sanftheit und Musikalität, die man bei Brad Mehldau wahrnehmen kann, ohne sich ihnen jedoch jemals konkret anzunähern. L'Antidote klingt eben nach L’Antidote. Mal werden sie jazziger (The Orchard), mal klingen sie nach Weltmusik (Rosée), mal werden sie rhythmischer, um zum Tanzen zu animieren (Na Na Na). Die Wirkung dieses Albums drückt sich in wohlwollender Sanftheit aus, fernab von jeder unnötigen Zurschaustellung und vermittelt nach jedem Stück ein fast augenblickliches Gefühl des Wohlbefindens. Genau darin liegt die Kraft des Teilens, des echten Teilens. © Guillaume Ley/Qobuz
Eigentlich gibt es nichts Uncooleres, als sein eigenes Konzeptalbum erklären zu müssen. Wenn das dann wenigstens in Form eines Comic-Booklets passiert, lässt sich darüber noch wohlwollend hinwegsehen. Auf "The Great Parrot-Ox And The Golden Egg Of Empathy" wagen sich Sean Lennon und Les Claypool erstmals gemeinsam an ein Werk solchen Ausmaßes: Ein psychedelisches Konzeptmonster in Sci-Fi-Prog.
Im Zentrum steht das Paperclip Maximizer-Gedankenexperiment: Eine Künstliche Intelligenz erhält den Auftrag, möglichst effizient Büroklammern zu produzieren, und optimiert diesen Befehl so radikal, dass am Ende alles andere irrelevant wird und die Menschheit als Kollateralschaden der Effizienz endet. Den Gegenentwurf liefern ein hybrides Fabelwesen, der titelgebende Parrot-Ox, sowie ein goldenes Ei der Empathie, ein Sinnbild für das, was der Maschine fehlt: emotionale Intelligenz.
Musikalisch beginnt die vorgezeichnete Reise mit "Pro-Log". Dieses macht seinem Namen in 36 Sekunden mittelmäßiger Exposition alle Ehre, ehe "Wap (What A Predicament)" direkt mehr Eindruck schindet. Mit der ungezwungenen Melodiösität eines Beatles-Sprösslings rollt der Song überraschend geradlinig durchs Set. Wo das Duo sonst gern im musikalischen Labyrinth verschwindet, wirkt diese Direktheit fast irritierend, aber auch erfrischend.
"The Wake Up Call" will mahnen, tut aber vor allem eines: überzeugen. Mit einem Basslauf, der unverkennbar aus der Claypool-Schule stammt, und einem Horroroper-Storytelling entsteht hier der erste echte Eintritt in das Konzeptalbum. "Meat Machines" reduziert den Menschen auf seine biologische Restgröße, fängt transzendente Klangflächen ein, kippt in groovende Passagen und bündelt so die gesamte stilistische Spannweite des Projekts.
Ähnlich düster und variabel geht es mit "Troll Bait" weiter, bevor "Simplest Of Deeds" mit Streichern und reduzierterem Ansatz kurzzeitig organische Wärme zulässt. "Heart Of Chrome" wiederum übersetzt die emotionale Leere der KI in einen der verträumtesten Momente des Albums. Nach dem sich eingroovenden "Through The Horizon" folgt "Mantra Of The Manatee", das fast in meditativer Versenkung verschwindet.
Spätestens mit "The Golden Egg Of Empathy (Feat. Willow)" lassen sich die Pink Floyd-Anleihen nicht mehr kaschieren. Das wirkt wie ein "Have A Cigar" aus einem Funk-Paralleluniversum, und wächst zum stärksten Moment des Albums.
Die KI Anti-Hommage "Cliptopia" zieht das Level wieder an, mechanisch, mit leicht talkboxartigem Industriecharme. "Cliptron Scuttle" schlägt anschließend in eine völlig andere Kerbe: Glockenspielartige Perkussion, dadaistischer Fiebertraum, irritierend und gerade deshalb interessant. "Melody Of Entropy" öffnet sich synthgetrieben und lässt erstmals wieder klassischere Rockinstrumentierung durchscheinen, während "It's A Wrap" mit seiner Länge von 13 Minuten das emotionale Zentrum bildet. Hier blitzen erneut Beatles-Vibes auf, bevor das Stück in eine angenehm ambivalente Dystopie zurückkippt.
Unterm Strich gelingt Claypool und Lennon auf "The Great Parrot-Ox And The Golden Egg Of Empathy" das Kunststück, ein KI-Thema so distanziert zu behandeln, dass es nie in platte Moralpredigt ausartet. Stattdessen entsteht eine visuell wie musikalisch üppige Welt, die gleichermaßen verspielt wie durchdacht wirkt. Eine Mischung aus Primus, The Beatles, psychedelischem Prog und leicht Syd Barrett'scher Entrückung: vermutlich das Edelste, was Psych-Prog-Rock 2026 zu bieten hat.
© Laut
Wild God (2024) war eines der strahlendsten Alben, die im vergangenen Jahr erschienen sind. Aufgenommen zwischen den Studios von Miraval und Soundtree in London, fand Nick Cave dort einige seiner Bad Seeds wieder: Thomas Wydler am Schlagzeug, Georges Vjestica an der Gitarre, Jim Sclavunos an den Percussions sowie Colin Greenwood von Radiohead am Bass. Ein spirituelles, von Chören getragenes Werk, in dem man einen ekstatischen Nick Cave entdeckt, der wie vom Licht durchdrungen scheint. „Ich hoffe, ‘Wild God’ wird auf die Hörer und Hörerinnen dieselbe Wirkung haben wie auf mich. Es springt aus den Lautsprechern und reißt mich mit. Es ist ein komplexes, aber zugleich freudig ansteckendes Album“, erklärte er damals.
Kaum war das Album erschienen, stürzte sich Nick Cave in eine zweijährige Tour durch Europa und Amerika. Und obwohl seine Wild God Tour erst im Sommer 2026 enden wird, erscheint diese Live-Compilation bereits jetzt – natürlich im großen Stil und pünktlich zu den Feiertagen. Ein schönes Weihnachtsgeschenk an sich, das die zehn Songs auf dem Album sowie acht große Klassiker versammelt, darunter das fiebrige Tupelo (The Firstborn Is Dead, 1985), der zum Kult gewordene Gothic-Hit Red Right Hand (Let Love In, 1994), das tränenreiche Into My Arms (The Boatman's Call, 1997) oder From Her to Eternity. Viele davon wurden schon des Öfteren live gespielt und bereits zuvor in Live-Versionen veröffentlicht. Und doch ist Live God mit seiner makellosen Aufnahmequalität vor allem ein erhabenes Zeugnis von Caves Wiedergeburt – vom Abstieg in die Finsternis bis zum Aufstieg in himmlische Höhen, durch pure Resilienz. Ein danteskes, herzzerreißendes Rock-Dokument von außergewöhnlicher Intensität. © Charlotte Saintoin/Qobuz
Seit der Veröffentlichung seines von Kritikern hochgelobten Debütalbums »Come Around and Love Me« im Jahr 2023 hat Jalen Ngonda eine kometenhafte Karriere hingelegt. Der Song »If You Don’t Want My Love« wurde zum viralen Hit und wurde bis heute 253 Millionen Mal gestreamt. Jalen war in einer Reihe von grossen Fernsehsendungen zu Gast, darunter »The Graham Norton Show«, »The Late Show with Stephen Colbert« und »Later with Jools Holland«. Er war Support-Act für Thee Sacred Souls auf ihrer US-Tournee und hat als Headliner unzählige Clubkonzerte auf der ganzen Welt ausverkauft. Jetzt bereitet sich Jalen Ngonda auf die Veröffentlichung seines mit Spannung erwarteten zweiten Albums »Doctrine Of Love« vor.
Die harte Arbeit und die unermüdlichen Tourneen nach seinem Debüt haben sein Handwerk gestärkt. Seine Botschaft: »Die Lehre der Liebe besagt, dass jeder Gedanke und jede Handlung in erster Linie von Mitgefühl für andere geleitet sein sollte, denn Liebe ist der höchste Massstab für den Wert eines Menschen.« Die Titel des neuen Albums sind aus diesem Credo entstanden. Mit seinem tiefen Wissen und seiner Liebe zum klassischen Soul vermittelt Jalen Ngonda Authentizität in Hülle und Fülle. »Doctrine Of Love« verbindet Pop-Sensibilität und soulige Melodien mit roher Kraft und Groove und erweitert die orchestralen Arrangements von »Come Around And Love Me« um bläserreiche und gospelartige Backing Vocals, wodurch ein äusserst stilvolles Beispiel für moderne Soul-Kunst entsteht.
Ursprünglich 2017 rausgebracht und 2026 zum ersten Mal in Europa erhältlich!
»Pure Comedy«, das dritte Album von Father John Misty, ist eine komplexe, oft sarkastische und ebenso oft berührende Reflexion über die verwirrende Torheit der modernen Menschheit. Father John Misty ist das Projekt von Singer-Songwriter Josh Tillman. Wir könnten viel über Pure Comedy sagen, zum Beispiel, dass es ein mutiges, wichtiges Album in der Tradition amerikanischer Songwriting-Größen wie Harry Nilsson, Randy Newman und Leonard Cohen ist, aber wir denken, es ist am besten, wenn sein Schöpfer es selbst beschreibt. Los geht's, Mr. Tillman: »Pure Comedy« ist die Geschichte einer Spezies, die mit einem unvollständig entwickelten Gehirn geboren wurde. Die einzige Überlebenschance dieser Spezies, die sich auf einem grausamen, unberechenbaren Felsen wiederfindet, umgeben von anderen Spezies, die in dieser ganzen Sache viel geschickter zu sein scheinen (und für die sie eine Delikatesse sind), besteht darin, sich auf andere, etwas ältere, halb ausgebildete Gehirne zu verlassen. Diese Abhängigkeit bekommt im Laufe der Geschichte verschiedene Namen, wie »Liebe«, »Kultur«, »Familie« usw.
Mit der Zeit und da sich ihre Gehirne als bemerkenswert gut darin erweisen, Bedeutung zu erfinden, wo keine ist, wird die Spezies zum Lieferanten immer bizarrerer und raffinierterer Ironien. Diese Ironien sollen helfen, mit der abscheulichen Verletzlichkeit der Spezies fertig zu werden und zu versuchen, ihre Fantasie mit der Monotonie ihrer Existenz in Einklang zu bringen. So in etwa. Pure Comedy wurde 2016 in den legendären United Studios (Frank Sinatra, Ray Charles, Beck) in Hollywood, Kalifornien, aufgenommen.
Produziert wurde es von Father John Misty und Jonathan Wilson, die Tonarbeit übernahm Mistys langjähriger Tontechniker Trevor Spencer und die Orchesterarrangements stammen vom bekannten Komponisten und Kontrabassisten Gavin Bryars (bekannt für seine umfangreichen Soloarbeiten und seine Zusammenarbeit mit Brian Eno, Tom Waits und Derek Bailey).
Kein Name steht so sehr für moderne türkisch beeinflusste Psychedelia wie Altin Gün. Sechs Jahre nach ihrem Durchbruch mit ihrem Debüt On ist das Amsterdamer Quintett mit ihrem fünften Studio-Album Garip zurück. Mit ihrem dichten, Orgel-lastigen und rockigen Sound, der sich nicht vor lässigen Rhythmuswechseln scheut, erobern sie schon lange die Bühnen in allen Ecken und Festivals der Welt. Mit Garip stürzen sie sich nun in ein neues Abenteuer und widmen ihr ganzes Album dem legendären türkischen Folk-Barden Neşet Ertaş. Neşet Ertaş (1938–2012) zählte zu den bedeutendsten türkischen Sängern, Liedtextern und Bağlama-Virtuosen seiner Zeit. Er gilt als zeitgenössischer Vertreter der traditionellen Aşık-Kultur der anatolischen Volksbarden. In seiner jahrzehntelangen Laufbahn veröffentlichte er über 30 Alben und komponierte Hunderte von Liedern, die unter anderem von Künstlern und Künstlerinnen wie Funk-Meister Bariş Manço und Volksmusikerin Selda Bağcan interpretiert wurden.
Garip ist sehr viel instrumentaler aufgebaut, als die vorherigen Platten der Band, die Stimme von Erdinç Ecevit erklingt nur selten. Vielmehr Prominenz bekommt die Baglama verliehen, ein Schlüsselinstrument und traditioneller Sound der anatolischen Bardenmusik. Das verleiht dem ganzen Album etwas mehr Ruhe, ein Merkmal, das zwischen den klanglichen explosiven Kombinationen auf Aşk (2023) oder Yol (2021) noch nicht so breit zu finden war. Auf Gel Yanıma Gel entflammt eine mysteriöse Intensität, in Gel Kaçma Gel zeigen Altin Gül sich von ihrer zurückgelehnten Seite und das klassische psychedelisch-funkige Know-How der Band kommt am besten in Zülüf Dökülmüş Yüze hindurch. Gründer und Bassist Jasper Verhuist erklärt, dass die Band mit Garip mal etwas anderes probieren wollte: „Weniger provokativ, weniger poppig, weniger offensichtlich Psych-Rock. Mehr einfach nur Vibes.” Mit ihrem unglaublich großen musikalischen Know-how und großem Respekt für traditionelle türkische Folk-Musik haben Altin Gün es geschafft, der Legende Neşet Ertaş eine große Ehre zu erweisen und darin auch für sich und ihre Fans auf der ganzen Welt Neues zu entdecken. ©️ Maren Schüller/Qobuz
.Die renommierte US-niederländische Gospel-Soul-Künstlerin Michelle David & The True-tones läuten mit ihrem neuen Album »Soul Woman«, das im Februar 2026 bei Record Kicks erscheint, ein neues Kapitel ein. Aufbauend auf dem von Kritikern gefeierten Album »Brothers & Sisters« aus dem Jahr 2024, das die Komplexität der Welt widerspiegelte, wendet sich die neue LP »Soul Woman« nach innen - eine zutiefst persönliche Auseinandersetzung mit Identität, Heilung und spiritueller Widerstandsfähigkeit. »Wie kann ich andere bitten, sich Zeit zu nehmen, um über ihr Leben nachzudenken, wenn ich das selbst nicht tue?«, fragt Michelle David. Dieser Geist der Selbstreflexion und Erneuerung steht im Mittelpunkt von »Soul Woman« - einem Album, das Verletzlichkeit zulässt und gleichzeitig Stärke ausstrahlt.
Musikalisch verfeinert »Soul Woman« die charakteristische Mischung der Band aus Gospel, Soul und Vintage-Rhythm & Blues und schöpft dabei aus einer breiteren Palette von Einflüssen. Anklänge an Curtis Mayfield, Bobby Womack und The Four Seasons pulsieren durch die Grooves, während das Gospel-Feuer der Blind Boys of Alabama und die fröhliche Ausstrahlung von Diana Ross & The Supremes dem Album sowohl Schwere als auch Glanz verleihen. Im Mittelpunkt steht Michelle Davids unverwechselbare Stimme - rau, warm und voller Entschlossenheit -, umhüllt von reichhaltigen, analog geprägten Arrangements ihrer langjährigen Mitstreiter Paul Willemsen (Gitarre, Bassgitarre), Onno Smit (Gitarre, Bassgitarre) und Bas Bouma (Schlagzeug). Gemeinsam stehen Michelle David & The True-Tones an der Spitze der Retro-Soul-Szene - sie verbinden zeitlose Grooves mit moderner Dringlichkeit, unerschütterlicher Authentizität und herzlicher Leidenschaft. Eine Stimme, geboren in der Kirche, geschliffen auf der Straße. Michelle David wurde in New York geboren und wuchs in der Kirche auf. Mit nur vier Jahren begann sie zu singen und trat mit fünf Jahren ihrer ersten Gruppe, The Mission of Love, bei. Ihre kraftvolle Stimme führte sie um die ganze Welt, wo sie in gefeierten Broadway-Produktionen wie Mama, The Sound of Motown, Glory of Gospel und Mahalia mitwirkte und mit Legenden wie Diana Ross und Michael Bolton Aufnahmen machte - alles bevor sie ihre gefeierte Reise mit The True-Tones begann.
Gemeinsam haben Michelle David & The True-tones sieben von der Kritik gefeierte Alben veröffentlicht und die Bühnen Europas erobert, von Pinkpop über North Sea Jazz bis hin zum London Jazz Festival. Die Band ist bekannt für ihre mitreißenden Live-Auftritte, hat von Spanien bis Skandinavien Standing Ovations erhalten, ist in großen Fernseh- und Radiosendungen aufgetreten und hat sogar bei den Olympischen Winterspielen 2022 gespielt. Ihre Aufnahmen wurden ebenso gelobt: The Gospel Sessions wurde für einen Edison Award (das niederländische Pendant zum Grammy) nominiert, während Truth & Soul aus dem Jahr 2020 von Craig Charles' BBC Radio 6 Music zum Album des Jahres und von FIP (Radio France) zum Album des Monats gekürt wurde. Ihr jüngstes Album »Brothers & Sisters« (2024), markierte ihr Debüt bei Record Kicks und wurde zu einem Durchbruch - gefeiert von Rolling Stone France, KEXP, Jazzthing Magazine (Deutschland), De Volkskrant (Niederlande) und BBC 6 Music.
Ein Zeugnis der zeitlosen Kraft des Soul: Mit »Soul Woman« bieten Michelle David & The True-tones mehr als nur eine neue Platte - es ist ein musikalisches Zeugnis der Widerstandsfähigkeit, eine Feier des spirituellen Wachstums und eine Bekräftigung der Fähigkeit der Soulmusik, zu heilen, zu verbinden und zu inspirieren. Gleichzeitig in klassischen Traditionen verwurzelt und neue Wege beschreitend, ist dies zeitgenössischer Soul vom Feinsten. Für Fans von Durand Jones & The Indications, Thee Sacred Souls, Jalen Ngonda, Sharon Jones & The Dap-Kings, Lee Fields, Mavis Staples.
„American V: A Hundred Highways” ist das lange erwarte Album mit den letzten Aufnahmen von Johnny Cash. Die grundlegenden Tracks dafür, d. h. die Stimme von Cash, wurden 2002 und 2003 aufgenommen, die Overdubs wurden erst nach seinem Tod im September 2003 vom Produzenten Rick Rubin hinzugefügt. Der bereits kranke Siebzigjährige klingt auf diesem Album auch tatsächlich so, als wäre das Ende seines Lebens nahe, trotzdem erreichte Cash mit zunehmendem Alter eine stärkere interpretierende Kraft. Wenn man sich dieses Album anhört, bekommt man einfach mit, dass es sich um eine posthume Sammlung handelt, die in den letzten Lebenstagen von Cash entstanden ist. Aber auch ohne diesen Kontext hätte das Album den gleichen Effekt auf den Hörer. Wenn man unter den „American“-Aufnahmen nach einem passenden Finale für eine große Karriere sucht, findet man mit „American V: A Hundred Highways“ ganz sicherlich mehr als einen respektablen Schlusssatz.
© William Ruhlmann /TiVo
Das Debütalbum der Londoner Barock-Pop-Provokateure, Prelude to Ecstasy, kombiniert den mitreißenden, Brontë-artigen Indie-Rock von Florence + the Machine und die verführerische Dekadenz von Suede mit dem augenzwinkernden Pop-Geschick von Sparks und Wet Leg. Der rasante Aufstieg der Gruppe zur Rock-Royalty – sie ergatterten einen Auftritt als Vorgruppe der Rolling Stones im Hyde Park, ohne zuvor auch nur eine einzige Single veröffentlicht zu haben – wurde mit reflexartigen Vorwürfen von Vetternwirtschaft und Branchenintrigen quittiert, denen die Gruppe mit ihrer verdammt guten Musik begegnet ist. „Nothing Matters“ aus dem Jahr 2023, eine lustvolle, festivaltaugliche Hymne, die wie Anna Calvi als Frontfrau von ABBA wirkt, stürmte die britischen Charts und setzte einen mutigen Präzedenzfall. Die Veröffentlichungen von „Sinner“ und „My Lady of Mercy“ wurden diesem Ruf gerecht, wobei ersterer an Roxy Music und Bowie erinnert – man beachte die knorrige, von Carlos Alomar inspirierte Gitarrenarbeit von Emily Roberts – und letzterer Abigail Morris' Russell-Mael-artige Melodik und Silbengymnastik mit der opernhaften Pracht von Miranda Sex Garden verbindet. Der Rest von „Prelude to Ecstasy“ schöpft aus all diesen Einflüssen und liefert eine bemerkenswert selbstbewusste Sammlung von kühnen Indie-Rock- und maximalistischen Goth-Pop-Songs, gepaart mit Ohrwurm-Melodien, intelligenten, düster-romantischen Texten und theatralischer Prahlerei.
© James Christopher Monger /TiVo
Die Entfernung als Maß für Zeit und Ort prägt Kelly Finnigans »A Lover Was Born« mit einer Härte und Anmut, die aus Leidenschaft eine Tugend macht. Die neueste Solo-Veröffentlichung des Monophonics-Frontmanns steht in der besten Tradition von Midwest-Soul-Labels wie King, Curtom, Dakar und der Bodie Recording Company.
»A Lover Was Born« ist ein Zeugnis dafür, dass diese Deep-Cut-Grooves sich nicht in Nostalgie erschöpfen, sondern im brennenden Herzen von Sehnsucht und Hoffnung liegen. Die Reise, auf die Finnigan den Hörer in den elf Tracks von Lover mitnimmt, spiegelt den Zustand der Bewegung und des Wachstums seit seinem Solodebüt »The Tales People Tell« (2019) wider. Diese beiden Platten bilden den Abschluss einer produktiven Periode, zu der zwei Monophonics-Alben, ein Weihnachtsalbum, ein Mixtape und eine ganze Reihe von Produktionen für andere Künstler (The Ironsides, Alanna Royale, The Sextones) gehören.
»Es gibt nichts Besseres als Platten zu machen«, sagt Finnigan. »Es fühlt sich so an, als wäre das meine Bestimmung, der Grund, warum ich auf diese Erde gebracht wurde.« Geschrieben in Kalifornien, Ohio und Staten Island, arbeitete Kelly Finnigan mit alten Freunden im und außerhalb des Studios zusammen. »Ich arbeite gerne alleine, aber das ist nicht die Art und Weise, wie man eine Platte machen will - fast jeder, den ich für dieses Album hinzugezogen habe, hat schon mit mir gearbeitet, ist mit mir getourt oder hat viel Zeit mit mir verbracht.«
Max und Joe Ramey (The Ironsides), Jimmy James (Parlor Greens), Sergio Rios (Orgone), Joey Crispiano (Dap Kings) und Jay Mumford (alias J-Zone) tragen alle zum Gesamtsound von A Lover Was Born bei. Dramatische Einflüsse wie Isaac Hayes (man beachte das Piano in »Be Your Own Shelter«) und Jerry Ragovoy werden mit Northern Soul-Uptempo-Nummern zu Stompern wie »Get a Hold of Yourself« oder »Chosen Few« kombiniert. Finnigans Interpretation von Deep Soul ist in »Walk Away from Me« und »Love (Your Pain Goes Deep)« brillant eingefangen, während Boom Bap in den harten Stücken »His Love Ain't Real« und »Cold World« durchdringt.
Langsamere Songs wie »Let Me Count the Reasons«, das emotionale »All That's Left« und der mitreißende Albumabschluss »Count Me Out« zeigen die ehrliche und zärtliche Seite, die zu Finnigans Visitenkarte geworden ist. Dabei ist die Stimme rau und erdig - in der besten Tradition von R&B-Shoutern wie Otis Redding, Lee Moses und David Ruffin. Die Songs auf A Lover Was Born rekonfigurieren die gespleißte und gesampelte DNA des Hip-Hop (extrahiert von Crate Diggern wie Dilla und RZA), um etwas Neues zu schaffen, das sowohl das Spektrum als auch die Tiefe des Soul unterstreicht und gleichzeitig die Zeitlosigkeit von Finnigans Sound unterstreicht.
Wenn du zehn Jahre in die Vergangenheit reisen könntest, was würdest du deinem jüngeren Ich sagen wollen? Das war eine Frage, die sich Khruangbin selbst stellten, als sie sich dem zehnjährigen Jubiläum ihres Debütalbums näherten - dem einstigen Kultklassiker, der heute als genreprägend gilt: »The Universe Smiles Upon You«. »Wenn wir zurückgehen und uns selbst sagen könnten, wie viel nach diesem Album auf uns zukommen würde, was würden wir feiern wollen?«, fragte Laura Lee, Bassistin, Sängerin und Gründungsmitglied der Band. Stattdessen dachten sie: »Lasst es uns noch einmal machen.«
»The Universe Smiles Upon You II« wurde vom 4. bis 6. Januar 2025 in derselben Familien-Scheune des Gitarristen Mark Speer aufgenommen, an denselben Tagen, an denen TUSUY vor zehn Jahren erstmals entstand. Obwohl die Bedingungen dieselben waren - Schmutzboden, brutal kalt, minimale Schalldämmung, alle Aufnahmen live - sind die Songs es nicht. Sie wurden neu angegangen, einige stärker verändert als andere, mit der eingefangenen »Blitz-in-der-Flasche«-Energie des ursprünglichen Albums, während gleichzeitig entdeckt wurde, was diesmal einzigartig sein würde, in dieser Phase des Bandlebens.
Das Ergebnis bewegt sich wie Wellen auf dem Wasser über zehn hypnotisierende Tracks, die Scheune erzeugt ein Gefühl von Weite, Gelassenheit und kreativer Freiheit, die nahegelegene Tierwelt ist hörbar (achtet auf die Vögel bei »August Twelve II«), ebenso das Knarren und Klappern der Scheune. Es ist ein Geflecht aus kleinen Bewegungen in nuancierten Arrangements, das langsam das neue Leben, die Geschichten und den Charakter von jemandem enthüllt, den man nach zehn Jahren wieder wie zum ersten Mal trifft.
»The Universe Smiles Upon You II« ist hierzulande erhältlich als Deluxe CD mit 16-seitigem Booklet und als LP auf klassisch schwarzem Doppel-Vinyl und limitiertem weißen Doppel-Vinyl.
Das Artwork besticht mit einer neuen Interpretation des Covers durch den Originalkünstler Samuel Muir. Das Klappcover enthält Fotografien von Jackie Lee Young, die die einzigartige Aufnahmesituation dokumentieren.
Nach zwei grossformatigen Countdown-Ankündigungen am New Yorker Times Square und auf dem Plaza de Callao in Madrid präsentiert ROSALÍA endlich ihr neues Werk – und versteckt darin eine Überraschung nach der anderen. LUX verschwendet keine Zeit mit unnötigen Erklärungen: Es hypnotisiert vom ersten Hören an. Der Puls wird mit Berghain angeheizt, dem Herzstück und Dreh- und Angelpunkt des Albums und eine Hommage an den berühmten Berliner Technoclub, in dem das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Daníel Bjarnason eine sakrale Architektur erschafft, in der das Mystische und das Weltliche miteinander verschmelzen. Berghain gibt nicht nur den wirbelwindartigen Takt vor, sondern legt auch die melodischen und rhythmischen Motive fest, die das Album in vier Sätze gliedern und als roter Faden fungieren, der uns durch ROSALÍAS komplexe Welt führt.
Das Album klingt durchweg wie eine Reise, ganz vom Anfang an und mitten durch den geistigen Glauben hindurch. In den physischen Ausgaben der Platte verlängern 18 Titel (drei davon exklusiv) diese musikalische Zeremonie, auf der insgesamt in 14 Sprachen gesungen wird. Um sie herum schart sich ein Chor hochkarätiger Gleichgesinnter: Björk und Yves Tumor treiben die Lead-Single an die Grenze zwischen Club und Oratorium, Estrella Morente, Silvia Pérez Cruz und Carminho öffnen die Fenster zum himmlischen Gesang und zum traditionellen Fado, L'Escolania de Montserrat und der Cor de Cambra del Palau de la Música Catalana stützen das Chorgewölbe mit einem Augenzwinkern an die iberischen Wurzeln der Künstlerin.
Man spürt die Disziplin des Konservatoriums, an dem ROSALÍA einst ihre musikalische Reise startete, aber auch die pure Emotion: expansive Saiten, dosierte Pausen und eine sorgfältige Produktion zusammen mit ihrem Vertrautenkreis (Noah Goldstein, Dylan Wiggins/Sir Dylan, Jake Miller). LUX behauptet sich und beflügelt erneut die Karriere einer Künstlerin, die sich ständig im Wandel befindet: Stolz auf ihre spanischen Wurzeln, globales Bekanntheit und Risiko ohne Prahlerei. Das Album sucht nicht die Konkurrenz, sondern ruht in seinem ganz eigenen Territorium. Ein beinahe rituelles Album, das man in seiner ganzen Pracht hören muss, von der Besinnung bis zur Katharsis. Eine Reise wie ein Kreuzweg, den ROSALÍA im Clip von Berghain sogar auf High Heels zurücklegt. © Juan Barrios/Qobuz
"Hallelujah! Don't Let The Devil Fool Ya": Dieser Plattentitel schreit geradezu nach dem Blues. Aber so eindeutig ist die Sache nicht. Trägt die Platte doch die Handschrift der Black Keys aus den Easy Eye-Studios in Nashville. Dan Auerbach werkelt dort oft mit Berufsmusikern - Robert Finley ist erst seit dem Rentenalter einer davon. Darüber hinaus kennt er sich mit dem Innenleben von Fluggeräten aus: Anfang der Siebziger reparierte er Hubschrauber und war als G.I. in Deutschland stationiert.
Erst mit Mitte 60 legte er sein Debütalbum vor, als er aufgrund einer Sehbehinderung seinen Beruf als Dachdecker aufgeben musste: "Für die Welt scheint es so, als wäre ich aus dem Nichts gekommen, aber es war ein 52 Jahre langer Kampf, um hierher zu kommen", sagte er damals. Eine optische Stilikone ist der sonnenbebrillte Hut- und Lederliebhaber mit auffällig gemusterten Hemden und Gürteln geblieben.
Dass es überhaupt zu Plattenaufnahmen gekommen ist, hatte auch mit Zufällen zu tun, bei der zweiten LP kam besagter Dan Auerbach ins Spiel. "Ich wusste nicht, wer er ist", so Finley. Dan hatte sich gerade an The Arcs probiert, suchte neue Herausforderungen und dirigierte Finley im Studio: "Ich sage dir, was du singen sollst, und sing' es einfach so, wie du meinst." Buchstaben und Musiknoten sieht Finley keine mehr. Die Zusammenarbeit klappte exzellent. Beide traten live und im Fernsehen auf, produzierten einen Comic-Soundtrack sowie die Alben "Goin' Platinum!", "Sharecropper's Son", "Black Bayou" und jetzt "Hallelujah! Don't Let The Devil Fool Ya".
Die Albentitel erzählen direkt Geschichten: "Goin' Platinum!" rekurriert auf Roberts spontane Begeisterung über Auerbachs Grammy-Statuen. Platin bedeutet eine Million verkaufter Tonträger in den USA, "El Camino" erreichte tatsächlich diesen Wert. "Sharecropper's Son" bezieht sich auf das ungünstige Pachtverhältnis des sogenannten Sharecroppings, einem rechtlichen Relikt aus der Zeit der Sklaverei: Finleys Vater war ein solcher 'Sharecropper'.
Der Musiker wuchs auf einer Farm auf. "Black Bayou" erzählt von der Heimat des Gitarristen in Louisiana. "Hallelujah! Don't Let The Devil Fool Ya" referiert nun auf Roberts Religiosität, seine Nähe zur Kirche, in "I Am A Witness" explizit auf Gott und Jesus. In "His Love" heißt Gott 'He/His', in "I Wanna Thank You" nennt er ihn in Gospel-Manier 'Lord'. Nur handelt es sich nicht um Gospel-Aufnahmen, sondern um ein Gemisch aus knittrigem Vintage-Rock, schwungvollem Southern Soul, so mancher Stax-Inspiration, würzigem Hot Sauce-Americana, lärmendem Electric R'n'B, psychedelischem Blues und Wurlitzer-Gewusel.
Dieses Album führt, wie so vieles, das Dan Auerbach als Producer anpackt, klappriges Schlagzeug und Charakterstimmen zusammen - hier einschließlich der überzeugenden Background-Sängerin Christy Johnson. Eine E-Orgel wird mit voll aufgedrehten Verstärkern konfrontiert. Auerbach persönlich bringt punktuell eine Pedal Steel ein ("His Love") oder klatscht in die Hände ("I Wanna Thank You").
Der Hauptakteur, der schätzungsweise 72-jährige Robert Finley, konzentriert sich vollends darauf, sich die Stimme aus dem Leib zu kläff-singen. Dabei demonstriert er ab der ersten Minute eine ganz eigenartige Aussprache, Intonation und Stimmmodulation. Anachronistisch mag das vielleicht wirken. Aber es ist ein bisschen wie bei der Geschichte von Sixto Rodriguez: Es steckt viel Herzblut drin und ein entbehrungsreiches Lebens voller harter Arbeit und Sehnsucht danach, diese Musik mit einem Publikum zu teilen.
"His Love" fasst das Leben als "Ups and downs" zusammen. Finley gießt diese Kurve ganz bewusst in lange Songs - einmal sechs, zweimal sieben und einmal gar über acht Minuten lang. Die schwingende Ballade "His Love" stellt ein beeindruckendes Monument weltlich gewordener Kirchenmusik dar. Orgel-Freaks sollten sich "On The Battlefield" anhören.
Bei den kürzeren Tracks empfiehlt sich das psychedelische Wunderwerk "Holy Ghost Party". Der Song wartet ab, köchelt Erwartungen hoch und präsentiert den betagten Sänger auf Sopran-Ebene. Hinzu kommt ein Videoclip, in dem surreale Farbblenden, wilde Schnitte und übereinander gelegte Collagen-Bilder die unwirkliche Stimmung des Stücks sensationell gut flankieren.
© Laut
Falls es noch nicht jedem klar war, steht spätestens jetzt fest: The Last Dinner Party waren kein kurzlebiges Phänomen. Das rein weiblich besetzte Quintett, das mit seinem ersten Album Prelude To Ecstasy 2024 beim Label Island (wie auch Florence + The Machine und Sabrina Carpenter) zur grossen Sensation der britischen Indie-Szene avancierte, bestätigt nun seine Position. Noch immer fest verankert in den Fussstapfen ihrer Idole wie David Bowie, Queen oder Kate Bush, liefern die Britinnen auf From The Pyre eine Reihe neuer extravaganter Popsongs mit ausgefeilten Melodien und kopfverdrehenden Hooks.
Alles ist auf diesem Album so tragisch wie intensiv. Die Gefühle sind theatralisch übersteuert, die hohe Stimme von Sängerin Abigail Morris schwankt wie die einer griechischen Priesterin im Rhythmus der grossen instrumentalen Höhenflüge. Allein zur Begleitung des Klaviers (Sail Away) oder zu dramatischen Orchestrierungen (The Scythe, This Is The Killer Speaking) singt sie aus voller Kehle von Freiheit und Liebe und flüstert sogar hier und da auf Französisch (Riffle). In den zehn kompakten, von Alan Moulder produzierten Songs, entfaltet sich eine intensive Klangwelt zwischen Glam Rock und New Romanticism. Eine beeindruckende Meisterleistung, die die Fans nicht enttäuschen wird. © Charlotte Saintoin/Qobuz
»Wish You Were Here (50th Anniversary)« bietet Fans eine spannende neue Perspektive auf eines der kultigsten und beliebtesten Alben von Pink Floyd. Die Ausgabe zum 50-jährigen Bestehen enthält das Originalalbum sowie zwei LPs mit Studio-Raritäten, darunter bisher unveröffentlichte alternative Versionen und Demos, die das achte Studioalbum von Pink Floyd auf eine ganz neue Art präsentieren, die zum wiederholten Hören einlädt.
Mit »Shine On You Crazy Diamond», dem hypnotischen »Welcome To The Machine«, dem bissigen »Have a Cigar« und dem unverzichtbaren Titelsong ist »Wish You Were Here« zweifellos eines der wichtigsten Alben in der Geschichte der Popmusik.
Die Themen des Albums – Abwesenheit, Isolation, Vergänglichkeit und Kritik an der Unaufrichtigkeit des Musikgeschäfts – spiegeln sich im ikonischen Albumcover wider. Auch 50 Jahre nach seiner Veröffentlichung klingt »Wish You Were Here« so aktuell und lebendig wie eh und je. Diese Sonderausgabe zum Jubiläum ermöglicht es den Fans zum ersten Mal, tiefer in einen entscheidenden Moment der Geschichte von Pink Floyd einzutauchen.
Marcus King sieht in der Musik seinen Rückzugsort und thematisiert daher auch emotionale Themen wie Herzschmerz, Sucht oder psychische Gesundheit. So sang der GRAMMY-nominierte® Künstler sich in die Herzen vieler Menschen und generierte Fans auf der ganzen Welt.
Auf seinem siebten Studioalbum präsentiert der US-Amerikaner erneut sein breites musikalisches Talent, von Jazz über Hip - Hop bis hin zu modernem Pop. Vor Albumrelease veröffentlichte Marcus bereits vier Songs, wie beispielsweise »Honky Tonk Hell«, was den einzigartigen Stil des Albums widerspiegelt.
23 Live-Tracks von der gefeierten Luck and Strange Tour auf 4 LPs in 2 Doppel-Gatefolds und Schuber. Enthält ein 24-seitiges Booklet mit Fotos von der Tour. Produziert von Charlie Andrew und David Gilmour.
Die Tour begleitete Gilmours fünftes Soloalbum Luck And Strange, das #1 in Großbritannien, Deutschland (seine erste #1 dort), Polen, den Niederlanden, Tschechien, der Schweiz, Portugal und Österreich erreichte.
Die Shows begannen mit zwei ausverkauften Warm-up-Shows im Brighton Centre, bevor sie für sechs ausverkaufte Abende in den Circus Maximus in Rom umzogen, gefolgt von der gleichen Anzahl in der Londoner Royal Albert Hall, bevor sie für ausverkaufte Abende im Intuit Dome und der Hollywood Bowl in Los Angeles in die USA zogen und mit fünf ausverkauften Abenden im Madison Square Garden in New York endeten.
Alle dreiundzwanzig Termine waren ausverkauft, und da keine neuen Shows in Sicht sind, sind »The Luck And Strange Concerts« die beste und einzige Möglichkeit, den Meister seiner Kunst auf der Bühne zu erleben.
Mit seiner weit klingenden Stimme, die sich harmonisch in die Produktion seiner ausgezeichneten Alben einfügt, ist es Curtis Harding gelungen, sich von den Fesseln des Soul zu befreien und eine ganz eigene Ästhetik zu entwickeln, von der wir auf seinem vierten Album mit dem Titel Departures & Arrivals: Adventures Of CaptainCurt eine neue Variante finden. In elf Songs entfaltet der Amerikaner seine ganze Kreativität und sucht nicht um jeden Preis nach dem Groove, sondern eher nach Formeln, die die Emotionen des Songs zum Vorschein bringen, nach dem wirkungsvollen Gimmick. Es ist eine andere Herangehensweise an sein bevorzugtes Musikgenre, etwas mehr vom Pop geprägt, aber keineswegs konsensorientiert, ganz im Gegenteil.
Der Text wird zum Rohstoff, sei es, dass er in True Love Can’t Be Blind Hoffnung oder in Out In The Black Düsteres zum Ausdruck bringt. Der begnadete Gitarrist Curtis Harding stellt sein Instrument nicht zur Schau, sondern überlässt die eher gefühlvollen als demonstrativen Soli lieber den Synthesizern und verfällt nie in Überschwänglichkeit. Er verfremdet seine Stimme, etwa in dem Titel Hard As A Stone bis zum Flüstern, und profitiert stark von den Arrangements von Steve Hackman, insbesondere den Streichorchestrierungen. Die Single Time fügt sich perfekt in dieses schöne Album ein, das diesen musikalischen Herbst nachhaltig prägt. © Brice Miclet/Qobuz
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Sie sind so produktiv wie nie zuvor: Seit 2021 bringen die Black Keys jedes Jahr ein neues Album heraus. Vom Label Nonesuch sind sie inzwischen zu Easy Eye Sound, dem Label von Dan Auerbach, gewechselt – und das Duo, das seit Langem keine zwei Alben mehr gleich klingen lässt, erfindet sich auch für ihre 13. Platte wieder ein Stück weit neu. Wenn Patrick Carney und Dan Auerbach auf dem vorherigen Album Ohio Players (2024) noch prominente Freunde wie Kelly Finnigan, Beck, Juicy J oder Lil Noid zur Party luden und stilistisch einen weiten Bogen spannten – vom Memphis-Horrorcore über Sixties-Pop bis zum Bluesrock –, so beschreitet No Rain, No Flowers nun neue Wege und definiert sich deutlich klarer.
Die Inspiration für dieses Album entstammt ihren sogenannten „record hanging“-Abenden, bei denen jeder rare und alte Vinylschätze mitbringt. Zur Seite standen ihnen diesmal Songwriter und Produzenten wie Rick Nowels (u. a. für Lana Del Rey, Madonna), Daniel Tashian (Kacey Musgraves) und Scott Storch, einst bei The Roots. In ihrer Wahlheimat Nashville, wo sie seit rund fünfzehn Jahren leben, schufen die beiden Musiker aus Ohio elf Miniaturen mit edler Vintage-Patina, die ab der Albummitte eine spürbare Studioalchemie verströmen.
Nach dem überraschend poppig-kitschigen Einstieg (No Rain, No Flowers, The Night Before, Babygirl) folgt mit Down To Nothing ein exzellenter Midtempo-Track, der tief in die Soulwelt der 70er eintaucht. Es folgen das groovige On Repeat mit reichlich Percussion und Wurlitzer, und dann die samtige Soulpop-Nummer Make You Mine, die diesen Abschnitt stilsicher abschließt. Zum Finale bleiben besonders die eingängige Melodie des funkigen All My Life sowie das überraschende, erdig-countryhafte Neon Moon in Erinnerung – letzteres wurde in nur einem Take eingespielt. Am Ende liefert No Rain, No Flowers eine Reihe glänzender Songs, die man gerne immer wieder hört. © Charlotte Saintoin / Qobuz
Diese Live-Show wurde am 29. November 1979 im Pavillon de Paris aufgezeichnet, als die Band auf Tournee war, um ihr Album »Breakfast In America« vorzustellen. Dieses landete in neun Ländern auf Platz 1, wurde für vier Grammy Awards nominiert und gewann sogar zwei. Auf »Live In Paris '79« sind die Hit-Singles »The Logical Song«, »Goodbye Stranger«, »Take The Long Way Home« und »Breakfast In America« neben einer Vielzahl weiterer kultiger Supertramp-Songs zu hören.
Der weltweit gefeierte Musiker, Produzent und Songwriter Steven Wilson veröffentlicht sein achtes Studioalbum »The Overview«. Das 42-minütige Werk, bestehend aus zwei epischen Tracks - »Objects Outlive Us« und »The Overview« - ist inspiriert vom »Overview Effect«, einem transformativen Erlebnis, das Astronauten beim Blick auf die Erde aus dem Weltall erfahren.
Mit »The Overview« kehrt Wilson zu seinen progressiven Wurzeln zurück, einem Genre, das er maßgeblich mitgestaltet hat. Die beiden ambitionierten Stücke bestehen aus einzigartigen musikalischen Abschnitten, die nahtlos ineinander übergehen, und kombinieren klassische Prog-Elemente mit modernen Einflüssen wie Elektronik und Post-Rock. Die Texte, teils von XTCs Andy Partridge, erzählen Geschichten über die Schönheit und Herausforderungen des Lebens auf der Erde.
Das Album spiegelt 30 Jahre Wilsons Karriere wider, mit Anklängen an Porcupine Tree, The Raven That Refused to Sing und The Future Bites. Wie immer liefert Wilson ein audiophiles Erlebnis: »The Overview« wird in Spatial Audio und als speziell gemastertes Half-Speed-Vinyl erhältlich sein.
»The Overview« ist ein einzigartiges Werk für 2025 – ein Erlebnis für offene Ohren und weite Gedanken.
Auf Qobuz anhören.
Mit nur 20 Jahren präsentiert sich Sienna Spiro als eine „alte Seele“, deren musikalisches und visuelles Universum tief von den 1960er-Jahren inspiriert ist. Hinter den voluminösen Frisuren und den ausgefeilten Arrangements im Stil von Burt Bacharach verbirgt sich die Sorge um die Vergänglichkeit, die Sienna Spiro umtreibt. Dies klingt bereits im Eröffnungsstück durch die Beschreibung eines Hauses an, dessen unerschütterliche Beständigkeit eine beruhigende Wirkung auf die junge Engländerin hat (This is my House). Die ergreifenden Balladen für Klavier und schmachtende Streicher bilden das klassische Fundament dieser Platte, die zwischen Jazz, Pop und Soul changiert. Besonders im Gedächtnis bleiben die emotionale Steigerung von Die On This Hill oder auch die berührende Schlichtheit von Pure und Mono No Aware, bei denen die akustische Gitarre wunderbar mit dem rauen Timbre der Sängerin harmoniert.
Die Kunst des herzzerreißenden Refrains birgt für Sienna Spiro keine Geheimnisse, wie die Ballade Time, You & Me oder auch das in einem dynamischeren Stil gehaltene He’s Not My Baby, I’m His beweisen. In The Visitor kommt die Sorge vor der emotionalen Vergänglichkeit eindrucksvoll zum Ausdruck, im Kontrast zur Schlichtheit der Arrangements. Da das Universum von Sienna Spiro sehr filmisch geprägt ist, überrascht es nicht, auf dem vorliegenden Album zwei Filmsongs (in sehr unterschiedlichen Stilen und Epochen) anzutreffen: einerseits die Neuinterpretation von Les Feuilles mortes von Prévert und Kosma (zu hören im Film Pforten der Nacht von Marcel Carné aus dem Jahr 1946) und andererseits Material Lover, der Titelsong des Films Der Teufel trägt Prada 2 (2026). © Nicolas Magenham/Qobuz